Blankenese
Blankenese ist ein westlicher Stadtteil von Hamburg im Bezirk Altona. Das ehemalige Fischerdorf wurde 1301 erstmals urkundlich erwähnt. Blankenese gehörte zunächst zur schauenburgischen Grafschaft Holstein-Pinneberg, danach zum Herzogtum Holstein. 1927 wurde es durch das Groß-Altona-Gesetz zum Vorort der Großstadt Altona/Elbe und ging 1938 zusammen mit Altona in Hamburg auf.
In Blankenese war die Fischertracht um 1780 die erste Tracht. Gegen Anfang des 19. Jahrhunderts kam die Bauerntracht hinzu, die vornehmlich in Dockenhuden, welches Blankenese hufeisenförmig umringt, getragen wurde.
Frauentracht
Die Blankeneser Trachtengruppe tritt vornehmlich auf Tanzveranstaltungen mit roten Röcken (alte Fischertracht) auf. Bei kirchlichen Veranstaltungen wie z.B. Erntedank wird auch gerne die Festtagstracht (dunkelblau) getragen.
Der Oberrock (plattdeutsch „Babenrock“, auch „Lakenrock“), aus feinerem rotem Wollstoff,
mit einer gelbgrün seidenen ca. 3 cm breiten Randborde unten am Stoß eingefaßt, reichte bis zur halben Kniehöhe.
Darüber wird eine Schürze „Plaaten“ aus weißem Leinen getragen. Diese reicht über die
Hüfte und ist drei Finger breit kürzer als der rote Rock.
Das weiße Leinenhemd reichte bis knapp unter das Knie und die weiten Ärmel wurden bis zu den Ellenbogen aufgekrempelt. Durch ausgenähte Rundlöcher wurde das Hemd zu Sonn- und Festtagen von verheirateten Frauen mit einer herzförmigen Gewandschließe geschlossen.
Das besondere Merkmal des Strohhutes ist seine flache tellerartige Form. Er wurde mit Baumwollstoff gefüttert und mit einem Band am Hinterkopf befestigt. Am äußeren Rand des Strohhutes verlief außen eine gezackte Strohzierborte.
In der Regel wurde barfuß gelaufen, selten in Holzschuhen oder schwarzen Pantoffeln. zu den Schuhen wurden hellblaue Strümpfe getragen.
Diese Gewandschließe in Herzform heißt „Hartje“. Es war Brauch, dass der zukünftige Bräutigam diese seiner Auserwählten zur Verlobung schenkte. Diesen Brauch finden wir im gesamten ländlichen Raum des Nord- und Ostseeraums wieder.
Die kleinen Anhängsel sollten Glück bringen. Der sich in der Mitte befindliche etwas größere Anhänger spiegelte den Beruf des Bräutigams wider. Ein Fisch stand zum Beispiel für einen Fischer, ein Schiff für einen Seemann oder die Brezel für einen Bäcker.
Auf der Rückseite wurden vielfach die Anfangsbuchstaben des Namens des Bräutigams oder der Braut sowie das Verlobungsjahr einpunktiert,
In späteren Jahren wurde das Hartje überall durch Verlobungs- und Trauringe abgelöst


Halsschmuck wurde an Sonn- und Feiertagen getragen.
Die Halskette bestand aus mehreren Reihen größerer oder kleinerer böhmischer Granaten mit einem goldenen oder silbernen Filigranschloss. Auf der Rückseite des Schlosses waren die Initialien der Trägerinnen einpunktiert. Das Halskettenschloss zeigte nach vorne.
War der Geldbeutel etwas schmaler wurden der Granat durch milchfarbige Glasperlen ersetzt.
Das Brusttuch (Bosdoog) wurde über dem hellblauen Mieder getragen, hatte am Halse eine gold- oder silbergezackte Borde (Tinkensnoor) und war vorne etwas kürzer als im Rücken.
Zur Alltagstracht (die auch die unbemittelte Braut trug) wurde ein schlichtes „Bosdoog“ aus hellblauem Wollstoff und darüber ein zweites „Bosdoog“ aus geblümtem Paukattun, flanellgefüttert,
getragen.
Geschlossen wurde das Brusttuch mit jeweils einer Schleife an Bauch und Rücken.
Die Haarfrisur blieb in der Fischertracht immer dieselbe: das Haar wurde ohne Scheitel von allen Seiten stramm zurückgekämmt, dann am Hinterkopf oben fest in Knotenform zusammengedreht und mit einer knöchernen Haarnadel (die im Winter nach dem Schweineschlachten aus einer Schweinerippe hergestellt wurde) befestigt und mit einem dünnen Bande umwunden.
Die sehr schönen Mützen fertigten die Blankeneserinnen selbst an. Die Stoffe wurden von den Männern aus Holland mitgebracht, wo sie ihren Fisch verkauften. Die Mützen waren bei der Fischertracht wegen des Haarknotens auf dem Hinterkopf größer. Sie wurden aus verschiedenen Stoffen hergestellt, oft von demselben gleich geblümten Paukattun, wie die Brusttücher und Jacken. Alltags waren sie auch schlichtfarbig, doch stets mit einer gezackten gold- oder silberdurchwirkten Außenborde am Mützenrande wie beim Brustlatz. Die Borde wurde von über Land ziehenden Händlern gekauft und findet sich daher am gesamten Elbufer wieder.
Die Mütze wurde durch zwei schwarze Schüren mit einer Schleife unter dem Kinn befestigt.
Ein schmales gold oder silber metalldurchwirktes Band, das sich zweimal um die Mütze legte, lief hinten, vier Falten bildend, in einer Schleife aus.
Unter der Mütze wurde eine Haube aus zartem Batist oder Leinen getragen, die etwa einen Finger breit unter der Mütze hervorlugte.
Sonn- und Feiertagstracht
An Sonn- und Festtagen und wenn es zur Stadt ging, setzten sich die Mädchen und Frauen weiße Leinen- und Batisthauben auf, aus denen ein bis zwei Finger breite Borten aus Brabanter Spitze hervorlugten.
Es wurde die braun- oder blauseidene Mütze mit bunten Brokatblumen und goldgezackter Randborte getragen.
Der Halsschmuck war der selbe wie bei der Fischertracht. Die Halskrausen des Brusttuches bestanden aus gesteifter und in breite Falten zusammengenähter Brabanter Spitze.
Das Brusttuch mit gold- oder silbegezackter Borte am Hals wurde aus Seidendamast gefertigt. Die Sonntagjacke war aus dunkelblauen Wolltuch und hatte an den Unterarmen sechs Silberknöpfe oder seideübersponnene Holzknöpfe oder Tuchknöpfe. Der eckige Ausschnitt zeigte die gold- oder silbergezackte Borte. In Ausnahmefällen war die Jacke aus dunkelblauer Seide. Aus demselben Material wie das Brustuch und die Jacke wurde ein faltenreicher Rock gefertigt.
Das seidene Schultertuch musste zuerst genau in der Mitte der Rückentaille festgesteckt werden. Es wurde strenge darauf geachtet, dass es nicht über die Schulter ragte. Dann wurde es vorne gefaltet, gerade herunter gesteckt, damit das Brusttuch mit dem Jackenausschnitt sichtbar blieb, und dann wurden die Enden des Tuches über Kreuz gesteckt, sodass die in den Tuchenden eingewebten Adler oder Rosen zu sehen waren. Nach ihnen wurden die Schultertücher auch benannt: es gab rote, blaue, grüne und schwarze „Adler“- und „Rosentücher“, auch schlichtseidene Bandtücher zum Wenden mit außenkantigen Bandstreifen, deren Rückseite „Routsiet“ genannt wurde. - Die Adlertücher waren am teuersten, die übrigen wurden „Talertücher“ genannt.
Die Sonntagsschürze ("Plaaten") war aus Seide oder Halbseide. Auf dunkelblauem Grund waren bunte Streifen eingewebt. Für Festlichkeiten wurde eine schwarze oder dunkelbraune Seidenschürze mit floraler Musterung fast so lang wie der Rock getragen.
Um die Untertaille wurde ein 3-4 cm breites kräftiges einfarbiges Ripsseidenband, "Liefband" (Leibband) genannt, gebunden, welches vorne in einer Schleife endete.
An Festtagen war es ein gerade herunterhängendes, kostbares silber- oder seltener golddurchwirktes Liefband (siehe Bild), 1,40 m lang und 6 cm breit, vorne in der Taillenmitte mit einer massiven, ziselierten Silber- oder Goldschnalle geschlossen. Das eine herunterhängende Ende endete unten in einer Frange.

Die Schuhe waren aus schwarzen englischen Manchesterstoff mit massiven Silberschnallen gefertigt.
Die Strümpfe ("Haasen") waren hellblau und bei Trauer schwarz.

Das von einem weißen Taschentuch umlegte Gesangbuch wurde unter dem linken Arm getragen. Die rechte Hand schmückte im Sommer ein Sträuschen aus wohlriechenden Blumen.
Männertracht
Blankeneser Bauern-Männertrachten waren nicht mehr vorhanden. Aus schriftlichen Dokumenten wie Reiseberichten oder Polizeiakten, sowie Zeichnungen und Gemälden können jedoch Rückschlüsse zur Ausgestaltung, Verarbeitung und dem Aussehen der Männertrachten gezogen werden.
Grundsätzlich gilt für jegliche Männertrachten, dass sie früh aus den Dörfern und der Gesellschaft verschwunden sind. Ursächlich dafür verantwortlich ist das damalige Leben und die Ausbildungszeit der jungen Männer und Burschen. Sie zogen in die Welt um eine Lehrstelle zu finden. Die Gesellen gingen auf Wanderschaft und die Schiffsjungen segelten in fremde Länder… und Zuhause waren die alten und kranken Männer, die ihrem Gewerbe nicht mehr nachkommen konnten und gepflegt und umsorgt werden mussten.
In der großen weiten Welt, und besonders in den Städten, wurde bürgerliche Kleidung, die sich an der höfischen Mode orientierte, getragen. War die alte Hose zerschlissen, so ließen sich die Lehrlinge und Gesellen nach der neuesten Mode vom Schneider einkleiden. Ein Kleidungsstück nach dem anderen wurde über einen längeren Zeitraum erneuert. Es kam auch vor, dass ein Lehrling oder Geselle statt seines Lohnes ein neues Kleidungsstück von seinem Meister erhielt.
Hier bei uns fuhren fast alle männlichen Einwohner Blankeneses zur See – damit waren sie über einen langen Zeitraum fern der Heimat. Auf den Schiffen wurde Arbeitskleidung, wind- und wetterfestes, wasserundurchlässiges Ölzeug, bis zur Mitte des Oberschenkels reichende Wasserstiefel und weite, weiße 7/8 Leinenhosen getragen.
Die Bauern-Männertracht hatte nur wenige Eigenarten und wurde meist nur von kleinen Bauerhofbesitzern getragen. Sonntags wurde der Dreikanthut getragen, aus dunkelbraunem Filz (der gleiche wie in der Fischertracht auf dem Markt), er wurde durch nur wenige Nadelstiche dreikantig geformt und aufgebügelt (s. Oben!).
Sonntags dunkelblaue Tuchjacken mit Sammetkragen und schwarzseidenen, gesteppten Brustaufschlägen.
Weite, bis unter die Knie reichende Beinkleider gehörten zur Jacke und zum Taillenrock; sie waren entweder aus schwarzem oder braunem Manchester oder aus anderen Stoffen und hatten am rechten Bein eine Längstasche für das Taschentuch und oben am linken Bein innen eine kleine Uhrtasche, die von einer langen Weste bedeckt war, welche hochgeklappt werden musste, um zur Uhr zu gelangen. Wenn dann in der Kirche der Bauer nach der Predigt nach seiner Uhr sah, während gleichzeitig seine Frau unter ihrem hochgeklappten Oberrock nach dem Kirchengeld suchte, so war das ein reichlich eigenartiger Anblick. Die sehr weiten Beinkleider wurden an den Hüften durch eine Schnur am Schlitz zusammengezogen, die Enden der Schnur dann in eine Schleife gebunden. Unter den 2 oder 3 flachen silbernen, knöchernen oder Zeug-Knöpfen zugeknöpft oder im Knieschlitz durch Bänder zugezogen, welche Bänder dann an den Außenseiten in eine Schleife gebunden wurden.
Die Westen hatten nur eine Reihe Knöpfe.

Kindertracht
Die Kinder sind Abbilder der Erwachsenen.
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