Lübeck
Die Gruppe tanzt in der Belbuker Festracht. Wie kam es dazu?
Als wir Mitte der 70er Jahre auf der Suche nach einer neuen Tracht waren, haben wir lange überlegt und viele Bücher dafür durchgeblättert. Da wir keine ausgesprochene Tracht aus Lübeck fanden, stießen wir auf ein pommersches Trachtenblatt, das unser Interesse fand. Es zeigte viel Rot und Weiß der abgebildeten Tracht und erinnerte uns damit auch an die Farben unserer Hansestadt Lübeck. Die Tracht stammt aus dem einstigen Klosterdorf Belbuck. Da mit dem dort einstmals als Lehrer tätigen Johannes Bugenhagen eine Beziehung auch zu Lübeck besteht und einige Mitglieder bei uns pommersche Herkunft sind, fiel unsere Entscheidung auf diese Tracht. Um auch über das Klosterdorf und seine Lage Kenntnis zu haben, informierten wir uns und erfuhren, dass sich an der pommerschen Küste einst Trachteninsel an Trachteninsel reihte. Eine davon war die Belbucker Abtei bei Treptow an der Rega, Kreis Greifenhagen. Es war die Stätte des 1180 von Herzog Kasimir I. gegründeten Prämonstratenser Klosters „Castrum St. Petri“ (erhalten hat sich dennoch der alte Name abgeleitet von „Bialobog“ (wendisch „weißer Gott“) nun “Belbuck”). Rund um das Kloster entstanden Klosterdörfer, zu denen auch Siedler aus Friesland und Westfalen kamen, mit dem Versprechen, Dienste und Abgaben zu erlassen. Einige Bestandteile der Belbucker Tracht lassen daher die Verbindung zu den Herkunftsgebieten und viele vergleichbare Details nordischer Trachten erkennen. In seiner Blütezeit um 1500 besaß das Kloster dann das Patronat von 16 Kirchen, 32 Dörfern und 2 Nonnenklöster in Treptow und Stolp. Das Trachtengebiet umfasste das Gebiet um die Stadt Treptow (heute: Trzebiatow/Polen) bis zur Rega-Mündung. „Belbuck“ galt als eines der vornehmsten Klöster Pommerns, so das 1332 sogar überlegt wurde, den Bischofssitz von Cammin nach „Belbuck“ zu verlegen. Es hat über mehrere Jahrhunderte das Gebiet um das Kloster kulturell und wirtschaftlich stark geprägt, so dass sich ein wohlhabendes und selbstbewusstes Bauerntum hatte entwickeln können. Hiervon zeugte die vornehme Tracht, die sich durch die leuchtenden Farben und die Verwendung kostbarer Brokatstoffe widerspiegelt. Abt Johannses Boldewan richtete im Jahr 1517 im Kloster ein Seminar ein, an das er den Rektor der Treptower Lateinschule und Vertrauten Martin Luthers, nämlich Johannes Bugenhagen als Lektor für Bibel und Kirchenväter berief. Fast der ganze Konvent schloss sich der neuen Lehre an. Die Mönche verließen das Kloster und 1522 sah sich Herzog Bogislaw X. gezwungen, die Abtei zu säkularisieren, um sie nicht in fremden Besitz fallen zu lassen. Die Klostergebäude verfielen und Ostern im Jahr 1560 brannten sie dann fast vollständig ab. Die Ruinen wurden als Steinbruch benutzt. Lediglich Mauerfragmente überdauerten vereinzelt noch bis in das 18. Jahrhundert und diese sind heute auch nur noch archäologisch fassbar.
Eine wichtige Frage der pommerschen Volkstrachtenkunde (aber auch anderen Trachtengebieten) ist die Bestimmung des Alters der einzelnen Trachten und ihrer Herkunft. Untersuchungen einzelner Trachtenstücke ergeben ein interessantes Bild: Es zeigt sich dabei immer wieder, dass Volkstrachten sich erst seit 1600 herausgebildet haben und umgewandelte Trachten einer städtischen Oberschicht sind. Einzelne Trachtenteile werden jedoch schon früher erwähnt. Die „Hoike“ (glockenförmiger Faltenmantel bzw. Überwurf) zum Beispiel in der Limburger Chronik um 1400 als „Glocke“ und niederländischer Herkunft. Die pommerschen Trachten entwickelten sich über mehrere Jahrhunderte hindurch, bis ihnen das 19. und 20. Jahrhundert das Ende bereitete. 1864 wurde die Belbucker Tracht noch gesehen und starb danach aus. Wir legten bei der Wiederherstellung und Rekonstruktion viel Wert auf hochwertige Stoffe und ein möglichst originalgetreues Erscheinungsbild.
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