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Kulturgut aus Schleswig-Holsteinischen

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Schwabstedt

Das Kirchdorf Schwabstedt liegt an dem Fluss „Treene“ und ist ungefähr 10 Kilometer von Friedrichstadt und Husum entfernt. Der Ort ist der Landschaft „Stapelholm unmittelbar benachbart und Einflüsse der dortigen Tracht sind bei der Schwabstedter Tracht zu erkennen. Richtung Husum grenzt Schwabstedt an das Kirchspiel Ostenfeld, in dem ebenfalls ein sehr urtümliche und besondere Tracht getragen wird. Auch in der Gegend um Viöl werden Trachten getragen, die ebenfalls mit der Schwabstedter Tracht in Beziehung stehen.  

 

Frauentracht

Die Frauentracht wurde nach einer Trachtenfigurine im Altonaer Museum zu Hamburg nachgearbeitet. Diese Tracht stammt aus der Zeit um 1820. Sie ist eine Sonntagstracht, die von Bäuerinnen getragen wurde, deren Hof mehr als 18 Demat (ca.20 ha) hatte. Diese Tracht wurde nur zu besonderen Anlässen getragen.

Sie besteht aus einem Beiderwandrock, einer Taille, einer Schürze, einem Gürtel mit silberner Gürtelschließe, dem Leinenhemd und dem seidenen Schultertuch. Zudem wird ein besonderer Strohhut getragen, der so genannte „Peerkopp“, der aus biedermeierlichen Vorbildern übernommen ist und ein Umschlagtuch getragen. Zur Arbeit wurde das Warbkleid getragen.

Röcke: Der Rock der Schwabstedterin ist aus Beiderwand gefertigt. Die Bezeichnung rührte ursprünglich von den Vorhängen der Alkoven (Schrankbetten) mit meist biblischen Szenen, die durch die Webart von beiden Seiten in umgekehrter Farbgebung betrachtet und genutzt werden konnten. Später wurde der Begriff in die Trachtenwelt transportiert, weil die handgewebten Rockstoffe ebenfalls von beiden Seiten nahezu gleich aussahen und zudem die Leinenkette mit dem Wollschuss aus zweierlei Werkstoffen bestand. Die Röcke weisen meist ein schmales blaues und weißes Streifenmuster auf, das in die rote Grundfarben eingewebt wird. Die Webbreite ergibt die Rocklänge, indem der Stoff horizontal verarbeitet wird. Innen beziehungsweise am Saum werden die Röcke von einer Stoßkante versehen. Im Bund legt man die Röcke in Falten und näht sie an ein schmales Queder. Zum Verschluss dienen Haken und Ösen.

Schwabstedt Rock​​​

Schwabstedt Schürze

Schürzen: Es werden blaue Baumwollschürzen getragen, die mit einem dezenten Blumenmuster bedruckt sind. Über dem Schürzenqueder trägt die Schwabstedterin einen Samtgürtel, der mit einer silbernen Schließe verschlossen wird. Diese Schließen, die stets vorn getragen werden, haben eine Grundform, die an ein Schnürmieder erinnert. Sie sind mit grobem Filigran belegt und mit Glasflüssen in rot und grün, seltener blau verziert. Ähnliche Schließen, die aber viel aufwendiger dekoriert sind, werden auf der Stader Geest in Niedersachsen getragen.

 

Jacke mit Keulenärmeln: Die nach einem biedermeierlichen Schnitt gefertigte Jacke ist auch aus Beiderwand gearbeitet und weist das charakteristische Streifenmuster auf, das an die Röcke der Stapelholmerin erinnert. Die Jacke ist  Kragenlos und mit braunem Samtband eingefasst. Sie wird vorne mit Schnüren verschlossen.  Sie reicht etwas über die Hüften herab und verdeckt den Rockbund. Darunter wird dann die Schürze im Rücken mit einer Schleife gebunden und der Gürtel darübergelegt.

Umhang: Zum Ausgang bei kühler Witterung wird ein Umschlagtuch, beziehungsweise ein Umhang aus schwarzer Wolle getragen. Das Umschlagtuch ist an den Kanten und besonders in den Ecken mit aufwendiger Plattstickerei verziert.

 

Oberhemd: Das Oberhemd der Frauentracht ist aus Leinen gefertigt. Es wird am Hals mit einer Schleife verschlossen. Die Grundschnitte dieser Hemden waren in ganz Norddeutschland ähnlich.

 

Schultertuch: Die Schwabstedterin trägt ein seidenes Schultertuch mit Fransen, das vorn in die Taille gesteckt wird. Solche Seidentücher wurden bereits im 19. Jahrhundert von fahrenden Händlern an der Haustür verkauft, oder in den Städten erworben. Auf diese Weise verbreiteten sich diese Seidentücher teilweise über weite Distanzen und wurden zu verschiedenen Trachten in Norddeutschland oder sogar im gesamten deutschen Sprachraum getragen.

Schwabstedt Schultertuch​​​​

Schwabstedt Hut

Strohhut: In Schleswig-Holstein gab es im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Strohhutproduktion. In den meisten Regionen gerieten diese Hüte aber in Vergessenheit, weil sie selbstverständlich bei der Feldarbeit aufgetragen wurden oder einfach mit den Jahren kaputt gingen. Der Strohhut der Schwabstedterin erinnert an eine Schute und derartige Hüte entstammen der bürgerlichen Biedermeiermode. Wir kennen sie zum Beispiel auch bei Trachten aus Mecklenburg und Pommern. Sie sind stets mit einem Baumwoll- oder Kattunfutter versehen.

Der Hut  ähnelt von der Seite betrachtet einem Pferdekopf, daher der Name Peerkopp. Er wurde weniger zur Arbeit getragen, da er zu groß ist.

 

Männertracht

Die Schwabstedter Männertracht kam um 1850 dazu und wurde folgendermaßen beschrieben:

Kniehosen mit Schnallen ,Halbschuhe und hohen Hut, mit  langem Überrock, hochgeschlossener Weste und schwarzem Halstuch.

Zum Ausgang tragen die Männer einen Zylinder und einen Gehrock.

Schwabstedt Hose

Hose: Es wird eine helle Kniebundhose wie allgemein auf dem Lande üblich getragen. Derartige Hosen waren in früheren Zeiten aus Hirschleder gefertigt und oft waren die hellen Hosen der Jugend vorbehalten. An Sonn- oder Feiertagen werden weiße Strümpfe und schwarze Schuhe zur Tracht getragen.

 

Weste: Die Weste ist hoch geschlossen und hat keinen Kragen oder Revers. Sie ist mit zwei Reihen Silberknöpfen versehen und aus rotem Wollstoff gearbeitet. Der Grundschnitt der Westen, ohne Revers und Kragen, ist der bürgerlichen Rokokomode des 18. Jahrhunderts entnommen. Sie erinnert die Stapelholmer Weste.

Hemd: Das Oberhemd ist aus weißem Leinen in der klassischen Schlupfform mit Schulter und Achselkeil gefertigt. Der Hemdschlitz wird mit Knöpfen geschlossen und das Hemd verfügt über einen schmalen Stehkragen, in dem ein schwarzes seidenes Halstuch getragen wird.

 

Gehrock: Durch städtischen Einfluss und Militärdienst, zum Beispiel in Kopenhagen, setzte sich ein Mantel beziehungsweise der Gehrock in der ländlichen Mode bereits um 1820 durch. Die Männertrachten wurden schneller der bürgerlichen Mode angepasst als die Frauentrachten und so wurden die Mäntel oder Gehröcke fester Bestandteil der Männertrachten. Diese Mäntel waren in der Regel aus blauen oder schwarzen Tuchstoffen gefertigt. Der Schwabstedter Gehrock hat sehr breite Ärmelaufschläge und hat sein Vorbild im benachbarten Ostenfeld, wo solche Röcke um 1805 getragen wurden und stark an die Mode des 18. Jahrhunderts verweisen.

Schwabstedt Gehrock

 

Schwabstedt Zylinder

Zylinder: Ähnlich wie bei den Mänteln setzte sich der Zylinder als modisch orientiertes Accessoire in den Männertrachten durch, während in anderen Regionen der Dreispitz als Kopfbedeckung aus dem 18. Jahrhundert in die Trachten übernommen wurde.

Kindertracht

Nicht vorhanden.

Kontakt und weiterführende Links

weiterführende Informationen:

Meyer, Hans: Schwabstedt. 5000 Jahre Schwabstedter Geschichte

Steensen, Thomas: Meerumschlungen

Heimatmuseum Schwabstedt