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Kulturgut aus Schleswig-Holsteinischen

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Wilstermarsch

Eingerahmt vom Nord-Ostsee-Kanal, Geest, Stör und Elbe liegt die Wilstermarsch im südlichen Kreis Steinburg. Eine Lage, die auch vor dem Kanalbau den Handel teils wertvoller Waren begünstigte. Das spiegelte sich auch in der Tracht wider, die Ende des 18. Jahrhunderts getragen wurde.

Im Frühjahr 1978 befasste sich der Landfrauenverein Wilstermarsch mit dem Gedanken, jene Tracht originalgetreu nachzuarbeiten. Als damalige Vorsitzende des Vereins ergriff Erna Gravert aus St. Margarethen die Initiative, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Ein schwieriges Unterfangen, denn auf den Höfen fanden sich nur noch wenige Einzelteile (div. Hauben, 1 Brustlatz, 1 Rock). Erst ein Besuch bei der Textilrestauratorin des Altonaer Museums, Frau Gisela Soltkahn, ergab nähere Anhaltspunkte. Dort fand sich auch eine Wilstermarschtracht, die bereits im Jahre 1904 in Stördorf bei Wilster aufgekauft wurde und mit der eingestickten Jahreszahl 1793 versehen ist.

Diese Festtagstracht diente als Vorlage. Im Museum wurden die einzelnen Trachtenteile genau vermessen und fotografiert, die Stickereien abgezeichnet. Als nächste Hürde erwies sich die Beschaffung der Materialien. Im 18. Jahrhundert wurden die Brokatstoffe und Brabanter Spitzen aus Belgien und Frankreich eingeführt. Jetzt fertigte die Meldorfer Museumsweberei die Beiderwandstoffe für die Röcke, Brokat und Seitenstoffe kamen aus Österreich und die Silberschnallen fertigte eine Hamburger Goldschmiedin nach Vorbildern aus dem Buch „Silberschmuck der Elbmarschen“.

Die Stickarbeiten in feinster Ausführung und sämtliche Näharbeiten wurden von Mitgliedern des Landfrauenvereins ehrenamtlich ausgeführt.

Aus der ursprünglichen Idee, eine Tracht als Anschauungsobjekt herzustellen, entwickelte sich der Plan, mindestens acht Trachten anzufertigen und eine Tanzgruppe zu gründen. Im März 1980 wurden die ersten acht Trachten der Öffentlichkeit vorgestellt. Später kamen noch acht leichtere sogenannte Sommertrachten hinzu.

Frauentracht

Die Festtagstracht

Haube_Wilstermarsch

Den Kopf bedeckt eine „Schnippe“, ein Tuch aus feinstem Leinen mit Brabanter Spitze. Darüber trug man eine mit Stickerei verzierte Brokathaube mit breiten Bändern, die seitlich unter dem Kinn zu einer Schleife gebunden wurden.

Ein besticktes Seitentuch legte man um Schultern und Hals in Falten und steckte es am Ausschnitt seitlich im Mieder fest.

Tuch_Wilstermarsch​​​​​

Mieder_Wilstermarsch

Das Mieder war aus Seidenbrokat gearbeitet, hatte hinten einen Schoß und wurde über einem samtenen Brustblatt, welches mit kunstvoller Seidenstickerei - häufig einem Doppeladler - verziert war, mit Schnüren geschlossen. Die engen ¾-Ärmel hatten 40 cm weite weiße Ärmelrüschen, die ebenfalls mit Stickerei verziert waren. 

Der Rock, für den bis zu 4 m handgewebter Beiderwand aus selbstgesponnener Wolle benötigt wurde,  in dessen breiten bunten Streifen burgundrot überwog, ließ die Füße frei. Ein 10 cm breiter einfarbiger Streifen wurde am Rocksaum als Abschluss aufgesetzt. Den größten Teil des Rockes bedeckte eine Seidenschürze, auch „Platten“ genannt. Die Schürze wurde verdeckt gebunden; man sah die Bänder nicht.

Unter dem Beiderwandrock trug man einen mit Spitzen besetzten Unterrock.

Rock_Wilstermarsch

Unterbindetasche_Wilstermarsch

Für kleine Habseligkeiten führte man eine Unterbindetasche aus Brokat und verzierten Bändern mit.

 

Dazu trug man schwarze Schuhe mit fein gearbeiteten Silberschnallen und weiße Strümpfe.

Schuhe_Wilstermarsch

Die Sommertracht

Teilweise trug man auch ärmellose Mieder aus Seidenbrokat, die ebenfalls vorn geschnürt wurden. Zu diesen Miedern gehörten weiße kragenlose auf der Brust reich bestickte Hemden mit weiten Ärmeln, die am Handgelenk mit feinen Ornamenten bestickte Bündchen hatten. Hierzu trug man ein Seidentuch, das vorn an der Taille mit einer silbernen Filigranbrosche zusammengehalten wurde.

Männertracht

Zufällig fand sich in einer Truhe der Familie Ruge in Poßfeld bei Wilster noch das Original einer Männerjacke. Dies nahm der Verein zum Anlass, auch noch vier Männertrachten anzufertigen, die 1985 vorgestellt wurden.

 

Männertracht_Wilstermarsch

Der Mann trug als Kopfbedeckung einen hohen steifen Hut. Um den Hals knotete man ein kurzes buntes Tuch aus Kattun. Über ein weißes Hemd mit weiten, am Handgelenk durch ein Bündchen gerafften Ärmeln gehörte eine Weste aus gemustertem Samt oder Brokat, die bis zum Hals geschlossen wurde. Darüber trug man eine kurze Jacke aus dunklem gewebtem Stoff, die zweireihig mit Silberknöpfen geschlossen wurde. Auch an den Ärmeln befanden sich Silberknöpfe. Die Kniebundhose war aus schwarzem Samt oder grauem Leder. Auch der Mann trug bei festlichen Anlässen schwarze Schuhe mit Silberschnallen und weiße Kniestrümpfe.

Kindertracht

 

Kontakt und weiterführende Links

Anke Egge

Telefon 04823-9226157

Trainiert wird immer dienstags ab 19.30 Uhr

Mehr Infos

 

Schnittmuster und Stickereivorlagen finden sich auch in dem Buch „Trachten aus Schleswig-Holstein“ von Gisela Soltkahn. Hier erwähnt sie auch, dass „die Tracht der Wilster- und Kremper Marsch der Frauen schon früh, bald nach 1800, ausgestorben ist und wir sie heute nur anhand von Stichen und Trachtenteilen rekonstruieren können.“